Hurra, wir werden reich durch Hundezucht

Es war einmal ein Ehepaar, das beschloss seinen Lebensstandard fuer alle sichtbar, zu vergroessern. Ein Haus hatten sie bereits, auch das Prestigeauto mit dem Stern und jedes Jahr machten sie eine Kreuzfahrt nach Asien. Kinder? Nein, das war nicht wirklich notwendig. Aber ein Hund waere nett.

Sie ueberlegten, welche Rasse wuerde Eindruck machen? Nur keinen mit langen Haaren, die ueberall auf den exklusiven Moebeln und den teueren Perserteppichen liegen. Der Hund muesste schon einfach in der Pflege sein. Am passendsten waere ein kurzhaariger Hund, aber bitte mit einem dopppelten Fell, damit keine Hundemaentel gekauft werden muessen. Das wuerde nur extra Geld kosten.

Ruede oder Huendin – das konnten sie noch nicht entscheiden. Nur, sollte der zukuenftige Hund nicht zu gross sein, damit die Futterkosten nicht so hoch waeren. Auf jeden Fall muesste es sich um eine seltene Rasse handeln, Schliesslich wollten sie den Neid in den Augen der Nachbarn und Verwandten sehen.

Nachdem sie das Buch „Alle Hunderassen auf einen Blick“ studiert hatten, fanden sie den Australian Cattle Dog. So weit so gut. Nun galt es, einen Zuechter von ausgezeichneter und bekannter Reputation zu finden. Bedeutende Ausstellungserfolge sollte er aufweisen koennen, die seinen Namen auch ueber Hundekennergrenzen hinaus bekannt gemacht machten.Schliesslich wollte man seine Freunde beeindrucken.

Ein beruehmter Zuechter wurde gefunden, der sogar einen Wurf liegen hatte und nicht einmal weit entfernt lebte. Sieben Welpen lagen in der Welpenkiste und tranken zur Freude ihres Zuechters mit zitternden, hoch erhobenen Schwaenzchen von der Milchbar der Mutterhuendin.

Die erste Frage des Paares war die nach dem Preis. Sie merkten schnell, dass dem Zuechter diese Frage nicht gefiel. Vielmehr hatte er erwartet, dass seine wohlgelungenen Welpen gebuehrend bewundert werden wuerden. Bauenschlau revidierten sie schnell ihren Fehler und begannen die erwarteten Fragen zu stellen. Trozdem waren sie ueber den Preis doch sehr erstaunt – 1000 Euros! Was fuer ein immenser Preis fuer einen jungen Hund!
Schnell rechneten sie in stummer Uebereinstimmung 7 x 1000€ und das zweimal im Jahr. Welch eine Aussicht! Wuerden sie gleich zwei Huendinnen kaufen, waeren das jaehrlich 25 000€ und alles ohne Steuern zu bezahlen.

Nur in ihrem Fall koennte der Zuechter aber mit dem Welpenpreis auf, sagen wir, 800€ runter gehen. So ein Pech, der Zuechter liess sich auf kein Handeln ein., behauptete gar eine Warteliste zu haben. Missmutig erklaerten sie sich mit dem Preis einverstanden, nicht aber ohne nach Teilzahlung zu fragen…

Als der Zuechter den Preis nannte, fragte er auch nach dem gewuenschten Geschlecht, das sie sich vorgestellt hatten. Nur ein Blick zum anderen genuegte und das Paar wusste, was der andere dachte.Sie wollten eine liebe Huendin, die sie auf langen Spaziergaengen verwoehnen konnten, erzaehlten sie dem Zuechter. Sie sollte ihr Familienmitglied waeren. Spaeter wuerde sie dann zu ihrem Besten kastriert werden, damit sie ihr Leben geniessen koennte.

Zuhause zurueck sahen sie im Internet nach, wann die Huendin zum ersten Mal gedeckt werden koennte. Wie enttaeuschend, sie mussten warten, bis die Huendin etwa zwei Jahre alt sein wuerde. Aber dann wuerden sie vom ersten Welpenverkauf einen neuen Wagen fuer die Frau kaufen. Vom Erloes des zweiten Wurfes wuerden sie nach Amerika reisen, wo die Schwester lebte. Und dann…. darueber mussten sie erst einmal nachdenken. Sie grinsten in reiner Vorfreude ueber diese Aussichten.

Als die Huendin 8 Wochen alt war, holten sie sie beim Zuechter ab und fuhren sofort in den Rasseclub, um ihre Neuerwerbung zu zeigen. Ihnen war klar, dass sie als Neulinge ihre Huendin geschickt promoten mussten, um in der Zukunft die richtigen Welpenkaeufer zu finden.

Als erstes fand der Mann heraus, wer im Vorstand war und schloss mit ihnen per Du Freundschaft. In der Zwischenzeit erzaehlte die Frau allen, wie fasziniert sie von der Arbeit mit den Hunden war und, dass sie es kaum erwarten koennte, mit ihrer Huendin anzufangen. Von jetzt an gingen sie jedes Wochenende zum Club. Bald schon kannte sie jeder.

Der Welpe wuchs heran und hatte bald zu lernen, wie man niedrigere Hindernisse und hohe Mauern ueberwand und in den Aermel des Trainers biss. Schliesslich wollten sie ihre Welpen mit rosa unterlegten Ahnentafeln verkaufen, die belegten, dass beide Eltern die SchH Pruefung erfolgreich abgelegt hatten.

Mit der Zeit wurden die Plaene des Paares immer realistischer. Der Club veranstaltete seine jaehrliche Hauptversammlung mit der Wahl des Praesidenten. Hinter den Kulissen hatte er hart gearbeitet, was mit dem erstrebten Ehrenjob belohnt wurde. Beide waren ueberzeugt, nun laegen keinerlei Hindernisse mehr zwischen ihnen und den 25 000€, denn auch die zweite junge Huendin war bereits im Haus.

SCHOOOOCK! Die Huendin verweigerte ploetzlich ueber die hohe Mauer zu klettern und auf der anderen Seite hinunter zu springen. Die Frau zog sie an langer Leine aus lichter Hoehe auf die Erde wieder und wieder. Diese stoerrische Huendin muesste lernen zu gehorchen, kreischte sie. Aber es kam schlimmer und schlimmer. Letztlich mussten sie sogar mit ihr zum Tierarzt. Die Diagnose war ein Unglueck: dieses war die schwerste Spondylose, die die Tieraerztin je bei einem so jungen Hund gesehen hatte. Alle Geschwistertiere wurden daraufhin beim selben Tierarzt auf Spondyloseveraenderungen geroentgt und wurden alle als vollkommen frei befundet.

Was war geschehen? Das zu fruehe, zu haeufige und zu harte Training hatte das Skelett der Huendin nachhaltig und endgueltig geschaedigt. Der Traum vom Geldsegen durch Zuechten endete abrupt in der rauhen Wirklichkeit.

Der Mann verliess sofort seinen nun unnoetig gewordenen Praesidentenstuhl im Club.

Und die Huendin?
Niemand hat je wieder von ihr gehoert…

© Doris Duewel, Finnland 2011

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Über acdisla

Mit 20 Jahren war ich verheiratet und mit 28 Jahren hatte ich drei Töchter. Ih war eine gute Hausfrau und Mutter. Kochen, Waschen, Hausaufgaben mit den Kindern, kutschierte alle zu den Freizeitaktivitäten und, und und. Abends dann Befriedigung des Ehemanns. Mit 37 Jahren war ich am Ende. Drei Selbstmordversuche zeigten meine Verzweiflung. Geändert haben sie an meiner ehelichen Einöde nichts. Ich rettete mich durch Scheidung, lernte mit Feuereifer und fand einen interessanten, mich fordernden Beruf.Unterstuetzung gab mir eine neue Freundin. Die Rechnung fuer 17 Jahre ehelicher Vergewaltigung kam in Form eines Koma in dem eine meiner drei Töchter neben meinem Bett sass. Das folgende Jahr verbrachte ich im Krankenhaus und erholte mich langsam von einer fast ganzseitigen Lähmung, Verlust meiner Muttersprache und meiner Erinnerung. Halbwegs wieder intakt, bekam ich Multiple Sklerose. Nach einem langjährigen Versuch Kindern in einem Kuenstlerdorf Sport beizubringen, habe ich einen idyllischen Restbauernhof gekauft und ein Hotel fuer Hunde aufgemacht. Das wurde der grösste und erfolgreichste Spass in meinem Leben. Inzwischen fand ich in Finnland ein traumhaftes Zuhause. Auf 50 000 qm konnen wir und unsere Hunde so frei leben, wie wir es uns erträumt hatten. Mir hat die MS inzwischen einen elektrischen Rollstuhl beschert, was der Mobilität ganz neue Dimensionen gibt. Meine Gedanken habe ich hier teils in Reimen, teils in Prosa aufgeschrieben. Viel Spass beim Lesen.
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