Ueber die Verantwortung

Doris Duewel, Komi im April 2011

Ein geliebtes Tier geht auf Reisen. Lebte es bisher in Europa, so vergeht kein Augenblick
in der Vorbereitung auf den Flug ohne die Fuersorge seines Besitzers. Er fuehlt sich vertraut
mit der Flugkiste, denn sie steht schon Wochen vorher auf seinem heimatlichen Lieblingsplatz,
von dem er alles ueberschauen kann. Darin serviert sein Besitzer ihm sein Fressen und darin gibt
es auch Leckerlis. Der vertraute Tierarzt hat ihn gruendlich untersucht und ihm auch alle vorgeschriebenen
Impfungen gegeben. Vier Stunden vor Abflug muss der Hund in der Frachtabteilung des
Flughafens eingecheckt werden.
Der Abschied ist vorher oft trainiert worden, sodass das Schliessen des Transportkaefigs kein
Stressfaktor ist. Die Aussenwaende hat Frauchen rundherum mit Zetteln bepflastert, auf denen steht:“ Bitte Wasser geben!“ oder „Hier ist oben“ Ein neues Plueschtier wird nicht immer von der Fluggesellschaft zugelassen, das muss erfragt werden.
Jetzt bleibt es dem Besitzer ueberlassen, ob er ausserhalb des Zollgelaendes in der Naehe seines
tierischen Freundes bleibt. Nicht nur Dichter sprechen von der „Kraft der Liebe“, auch Hundebesitzer,
sind ueberzeugt, ihr Tier spuert, dass sie ganz in seiner Naehe sind.
Jeder, der seinen Hund schon einmal in einer Hundepension hatte, ist perplex, wenn ihm der Betreuer auf die Minute genau sagt, wann er vom Urlaubsort die Heimreise angetreten hat. Ein geliebter Hund faengt dann naemlich an, freudig Laut zu geben, manche schreien vor Freude. Auf jeden Fall, zeigt der Hund ganz deutlich, mein Besitzer ist jetzt auf dem Weg zu mir.
Was aber, wenn der Hund zum Beispiel in Australien zu Hause ist und per Flug reisen soll?
Dann muss der Hund von einer sogenannten Tierspedition abgeholt werden Fremde Menschen bringen ihn zum Tierarzt ; mindestens zwei Tage vor Abflug ist er immer wieder in der fremd riechenden Flugkiste eingesperrt.
Der Trennungsschmerz ist unvermeidlich. Viele Hunde bekommen hier einen Knacks fuers Leben. Ich kenne Hunde, die fortan die Rute nur noch zwischen den Beinen hielten und in keine Kiste mehr gingen. Doch das Gesetz verlangt es so.
Was tun, um sicher zu gehen, dass man unter den konkurrierenden Firmen, die beste aller verantwortungsbewussten Tierspediteure ausgewaehlt hat?
Herrchen oder Frauchen fragen im Rasseklub andere Besitzer, wer bereis einmal welche Erfahrungen gemacht hat. Freunde werden zu Rate gezogen. Empfehlungen von Tierschutzverbaenden eingeholt.
Endlich ist die Wahl auf eine Firma gefallen, die gerade mit der Rasse seines Lieblings Erfahrungen hat.
Er baut Vertrauen auf und ueberlaesst den Firmenbesitzern seinen Hund. Jetzt wird alles sehr professionell
gehandhabt. Die Prozedur ist vorgeschrieben und wird mit Routine absolviert.
Drei Stunden vor Abflug wird der Hund in der Transportkiste beim Zoll des Flughafes abgeliefert. Dort kommt er auf einen Trolley und wartet vollkommen allein drei Stunden lang. Um ihn herum fremde Geraeusche, fremde Gerueche und niemand, der liebevoll erklaert, was das alles auf sich hat. Ein sensibler Hund fuehlt sich verraten und verkauft, versteht die Welt nicht mehr.
In drei betreuungslosen Stunden kann viel passieren. So geschehen mit der franzoesischen Bulldogge „Kransky“,
der posthum eine traurige Beruehmtheit erlangt hat. Sein Besitzer hat hier aufgeschrieben, wie er qualvoll im Flughafen in Sydney starb:
Wie ich lebte und starb
Die Besitzerin der Tiertransportfirma betonte mir gegenueber in mehreren mails, dass dieser Hundes aufgrund seiner Rassezugehoerigkeit zu den „hoechst riskanten Tieren“ zaehlte. Dazu kaeme noch sein Alter von sieben Jahren, was fuer einen „Frenchie“ bereits alt waere, so die Firmeninhaberin.
Es bieten sich zwei Loesungen an, die dem Hund ein Weiterleben ermoeglicht haetten. Entweder, die Tiertransportfirma lehnt die Annahme und Betreuung bis zum Abflug ab, weil Aussentemperatur ueber 40 Grad Celsius, Rasse und Alter keine Gewaehr versprechen, dass der Hund diese Reise ueberlebt.
Oder man kuemmert sich in den verbliebenen drei Stunden intensiv um diesen Risikohund, fuer den man nicht nur das uebliche Salaer genommen hat, sondern auch die Verantwortung hatte. Im Gegensatz zum privaten Besitzer darf sich die Speditionsfirma naemlich im Zollgebiet aufhalten, versicherte mir die Firmeninhaberin.
Zur Ehrenrettung anderer Firmen dieser Art muss betont werden, dass alle sechs Australian Cattle Dog Welpen, die wir nach Finnland importiert haben, gesund und munter ankamen. Welpen haben ja noch, wenn sie ein gutes Wesen haben, das Urvertrauen, das sie befaehigt Veraenderungen in ihrem Leben ohne Schaden hinzunehmen. Diese sechs Welpen kamen aus unterschiedlichen Gegenden Australiens, Brisbane, Melbourne und Sydney mit verschiedenen Tiertransport Firmen, die sich offensichtlich aus Liebe zum Tier diesem Beruf widmeten.
Das australische System ist gesetzlich verankert, kann also in absehbarer Zeit nicht geaendert werden. Umso wichtiger ist es, dass Zuechter oder/und Besitzer ein zwar profitorientiertes Unternehmen finden, dass aber ueberdies sich seiner grossen Verantwortung bewusst ist und entsprechen handelt.

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Über acdisla

Mit 20 Jahren war ich verheiratet und mit 28 Jahren hatte ich drei Töchter. Ih war eine gute Hausfrau und Mutter. Kochen, Waschen, Hausaufgaben mit den Kindern, kutschierte alle zu den Freizeitaktivitäten und, und und. Abends dann Befriedigung des Ehemanns. Mit 37 Jahren war ich am Ende. Drei Selbstmordversuche zeigten meine Verzweiflung. Geändert haben sie an meiner ehelichen Einöde nichts. Ich rettete mich durch Scheidung, lernte mit Feuereifer und fand einen interessanten, mich fordernden Beruf.Unterstuetzung gab mir eine neue Freundin. Die Rechnung fuer 17 Jahre ehelicher Vergewaltigung kam in Form eines Koma in dem eine meiner drei Töchter neben meinem Bett sass. Das folgende Jahr verbrachte ich im Krankenhaus und erholte mich langsam von einer fast ganzseitigen Lähmung, Verlust meiner Muttersprache und meiner Erinnerung. Halbwegs wieder intakt, bekam ich Multiple Sklerose. Nach einem langjährigen Versuch Kindern in einem Kuenstlerdorf Sport beizubringen, habe ich einen idyllischen Restbauernhof gekauft und ein Hotel fuer Hunde aufgemacht. Das wurde der grösste und erfolgreichste Spass in meinem Leben. Inzwischen fand ich in Finnland ein traumhaftes Zuhause. Auf 50 000 qm konnen wir und unsere Hunde so frei leben, wie wir es uns erträumt hatten. Mir hat die MS inzwischen einen elektrischen Rollstuhl beschert, was der Mobilität ganz neue Dimensionen gibt. Meine Gedanken habe ich hier teils in Reimen, teils in Prosa aufgeschrieben. Viel Spass beim Lesen.
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