Dodo meint: Schliesslich ist er nur ein Cattle Dog

Schliesslich ist er nur ein Cattle Dog….
Als der Australian Cattle Dog sich nach Europa, nach USA, ja in die entlegendsten Teile der Welt aufmachte, traf er auf weisse, rote, gelbe und schwarze Menschen. Er war hingebungsvoll treu und ueberragend intelligent, um nur zwei seiner beeindruckenden Charakterzuege zu nennen. Viele liebten ihn und lieben ihn bis heute. Viele lehnten ihn ab – er sei nicht so attaktiv wie ein Afghane, passte irgendwie nicht in ihre teure Lebensweise. Schliesslich ist er „nur“ ein Cattle Dog.

Der Cattledog ist treu, bereit seinen Menschen niemals aufzu geben. Das gefaellt uns. Obwohl wir uns kein Beispiel an ihm nehmen. Wie kaemen wir auch dazu? Treu zu sein, liegt nicht in unserer Natur. Schliesslich sind wir kein Cattle Dog.

Da steht we nun im umzauenten Garten oder Hof. Manchmal kommen Kinder vorbei und wuerden gern mit ihm spielen, aber da haengt ein Schild und sagt, dass er gefaehrlich ist .Es oedet ihn an.Alle Stellen im Auslauf sind hunderte Male markiert. Manchmal hat er versucht mit vorbeikommenden, angeleinten Hunden zu kommunizieren, aber fuer ihre Menschen ist es nur stoerendes Bellen.Im Sommer jagt er manchmal einen Schmetterling.Gelangweilt zerkaut er Spielzeug, das der Hersteller als „hundezahnresistent“ anpreist. Da endlich kommt sein Mensch nach Hause. Jetzt wird es lustig.Wir werden zusammen unsere Freiheit mit Toben, Rennen, Spielen geniessen. Doch der Gang zum Kuehlschrank mit dem kuehlen Bier zieht den Freund magisch an. Und erst das Sofa und der Fernseher – so geniesst er den Feierabend. Warum sollte er draussen bis zur Erschoepfung herumlaufen? Schliesslich ist er kein Cattle Dog.

Heute war ein aufregender Tag, ein Kind wurde vermisst. Wahrscheinlich hatte es sich nur verlaufen. Der kleine Pullover roch nach Brei, ein wenig Sand vom Hinfallen und schmeckte salzig nach Traenen. Der Cattle Dog lief unermuedlich, schnueffelte und horchte auf jedes Geraeusch. Er liess sich nicht irritieren vom verlockenden Geruch laeufiger Huendinnen, den markierten Stellen groesserer und kleinerer Artgenossen, er nahm seine Aufgabe ernst und liess nicht nach.Hingegeben an seine Arbeit, wie es seine Art ist. Doch ploetzlich nahm ihn sein Mensch und brachte ihn ins Auto. Sein Dienst war um. Umsonst weiter arbeiten? Undenkbar, schliesslich ist er kein Cattle Dog.

Wieder war ein ereignungsarmer Tag zu Ende. Nur das Schmusen mit seinem menschlichen Freund stand noch an.Dann wuerde er mit seiner Zunge das Gesicht ablecken, sich auf dem Ruecken waelzen und sich streicheln lasen. Man koennte auch versuchen mit der Pfote nach ihm zu greifen. Eine Geste, die sein Freund Milchtritt nannte und gar nicht mochte, weil die Krallen kratzten. Doch dann klingelte es an der Haustuer und die Freundin kam. Sie durften beide nicht gestoert werden, wenn sie auf dem Sofa schmusten. Warum sollte der Mann verzichten? Worthalten gehoert nicht zu seinen Tugenden. Schliesslich ist er kein Cattle Dog.

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Über acdisla

Mit 20 Jahren war ich verheiratet und mit 28 Jahren hatte ich drei Töchter. Ih war eine gute Hausfrau und Mutter. Kochen, Waschen, Hausaufgaben mit den Kindern, kutschierte alle zu den Freizeitaktivitäten und, und und. Abends dann Befriedigung des Ehemanns. Mit 37 Jahren war ich am Ende. Drei Selbstmordversuche zeigten meine Verzweiflung. Geändert haben sie an meiner ehelichen Einöde nichts. Ich rettete mich durch Scheidung, lernte mit Feuereifer und fand einen interessanten, mich fordernden Beruf.Unterstuetzung gab mir eine neue Freundin. Die Rechnung fuer 17 Jahre ehelicher Vergewaltigung kam in Form eines Koma in dem eine meiner drei Töchter neben meinem Bett sass. Das folgende Jahr verbrachte ich im Krankenhaus und erholte mich langsam von einer fast ganzseitigen Lähmung, Verlust meiner Muttersprache und meiner Erinnerung. Halbwegs wieder intakt, bekam ich Multiple Sklerose. Nach einem langjährigen Versuch Kindern in einem Kuenstlerdorf Sport beizubringen, habe ich einen idyllischen Restbauernhof gekauft und ein Hotel fuer Hunde aufgemacht. Das wurde der grösste und erfolgreichste Spass in meinem Leben. Inzwischen fand ich in Finnland ein traumhaftes Zuhause. Auf 50 000 qm konnen wir und unsere Hunde so frei leben, wie wir es uns erträumt hatten. Mir hat die MS inzwischen einen elektrischen Rollstuhl beschert, was der Mobilität ganz neue Dimensionen gibt. Meine Gedanken habe ich hier teils in Reimen, teils in Prosa aufgeschrieben. Viel Spass beim Lesen.
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